Union Busting: IG Metall verliert Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide
Die IG Metall-Liste „Tesla Workers GFBB“ hat bei der Betriebsratswahl der „Gigafactory“ in Grünheide Anfang März 2026 eine Niederlage einstecken müssen. Sie erhielt 31,1 Prozent der Stimmen und damit lediglich 13 der 37 Sitze. Die arbeitgebernahe Liste „Giga United“ der aktuellen Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz kam dagegen auf 40,4 Prozent der Stimmen und damit auf 24 Sitze. Bei der Wahl vor zwei Jahren war die IG Metall mit 39,4 Prozent der Stimmen und 16 von 39 Sitzen als stärkste Fraktion hervorgegangen, wobei sich die managementfreundlichen Listen jedoch zusammenschlossen, eine Mehrheit bildeten und den Vorsitz einnehmen konnten. Rund 10.700 Beschäftigte waren in diesem Jahr zur Wahl aufgerufen, die Wahlbeteiligung lag bei hohen 87 Prozent. Die Gewerkschaft verfehlte aber ihr Ziel deutlich, die Mehrheit der Sitze zu erringen. Auch in den kommenden Jahren wird die IG Metall damit in der „Gigafactory“ nur aus einer Minderheitenposition heraus agieren können.
Der Wahlkampf wurde offensichtlich „mit harten Bandagen und unfairen Methoden“ (junge Welt) ausgefochten, so dass von rabiatem Union Busting bei Tesla gesprochen werden kann. Das Handelsblatt schreibt:
„Die IG Metall erwägt nun rechtliche Schritte gegen Tesla. Die Prüfung einer Anzeige wegen ‚Union Busting‘ laufe und sei relativ weit fortgeschritten, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto, am Donnerstag. Das Management habe massiv Stimmung gegen die Gewerkschaft gemacht, sagte Otto. Laut Betriebsverfassungsgesetz drohen Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe, wenn etwa eine Betriebsratswahl durch Androhung von Nachteilen behindert, die Tätigkeit des Betriebsrats gestört oder ein Betriebsratsmitglied wegen seiner Tätigkeit benachteiligt oder begünstigt wird.
Werksleiter André Thierig hatte seine Belegschaft ausdrücklich vor einer Abstimmung für die IG Metall gewarnt. Sollte die Gewerkschaft gewinnen, könne er sich kaum vorstellen, dass Konzernchef Elon Musk weiter in Grünheide investiere.
Wenige Tage vor der Wahl ergriff Musk selbst das Wort. ‚Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen‘, sagte der Konzernchef in einer Videobotschaft an die Belegschaft. ‚Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.‘“ (Iwersen/Verfürden, Handelsblatt)
Auch die aktuelle Betriebsratschefin Schmitz bemerkte auf einer Betriebsversammlung: „Was wir hier nicht brauchen, ist eine Gewerkschaft“. (ebd.) Schmitz hatte nach Angaben des Handelsblatts auch die unangekündigten Hausbesuche des Werksleiters und Personalchefs bei Mitarbeitern unterstützt, die sich krankgemeldet hatten und über die in der jüngsten Vergangenheit in den Medien berichtet wurde. Zudem segnete sie und ihre Liste die Kündigungen von Betriebsräten aus den Reihen der IG Metall ab.
Der Leiter des Investigativ-Teams des Handelsblatts, Sönke Iwersen, kommentiert:
„Es ist der größte Arbeitgeber in Brandenburg, bei dem in mehr als 100 Jahren erkämpfte Rechte zum Lästigkeitsfaktor verkommen. Rechtlich ist das zweifelhaft, Aber was kümmert einen das Recht, wenn man 800 Milliarden Dollar besitzt? Wenn man Elon Musk heißt?
Das Ergebnis der Betriebsratswahl 2026 in der Gigafabrik Grünheide ist mehr als eine Wahlschlappe für die IG Metall. Es ist ein Triumph des autoritären Silicon-Valley-Kapitalismus über die deutsche Mitbestimmungskultur. Es ist eine Kapitulation des Rechtsstaats. Seit zwei Jahren raufen sich Arbeitsrechtler wegen der Methoden am deutschen Standort von Tesla: Hausbesuche bei krankgeschriebenen Mitarbeitern. Kündigung von Betriebsräten. Jetzt: Androhung eines Investitionsstopps, sollten die Beschäftigten‚ ‚die falsche Wahl‘ treffen.
Selten war Heuchelei so offensichtlich. Vor einem Jahr sprach Musk auf einer Veranstaltung im Bundestagswahlkampf. Die Regierung sei totalitär, selbst für milde Kritik würden Menschen eingesperrt. Dabei sei Meinungsfreiheit doch das höchste Gut. Freie Wahlen seien so wichtig.
Die Partei, bei der Musk seine demokratischen Weisheiten verkündete, war die Alternative für Deutschland.“
Quellen:
Gudrun Giese: „Betriebsratswahlen auf feindlichem Terrain“, junge Welt (Online) vom 6. März 2026
Sönke Iwersen/Michael Verfürden: „IG Metall unterliegt in Grünheide“, Handelsblatt vom 6./7./8. März 2026
Sönke Iwersen: „Kapitulation vor Elon Musk“, Handelsblatt vom 6./7./8. März 2026
Christian Lelek: „Betriebsratswahl bei Tesla: Grünheide bleibt Musk-Land“, Neues Deutschland (Online) vom 5. März 2026

